DER ERDSTALL, Heft 3, Roding 1977

Der Erdstall“ ist die Jahresschrift des Arbeitskreis für Erdstallforschung. Sie erscheint seit dem Jahr 1975 und enthält Fachartikel zu künstlichen Höhlen und informiert über aktuelle Forschungsergebnisse.

Diese Seite bietet eine Übersicht und kurze Zusammenfassung der Inhalte.

Ausgaben von DER ERDSTALL können beim Arbeitskreis für Erdstallforschung bestellt werden (einige ältere Hefte sind bereits vergriffen).

Inhaltsverzeichnis

Otto Huth: Die Kulthöhle – Zur Religionsgeschichte der Unterwelt. S. 5–31
Werner Endres: Zur Keramik des Erdstalls in Eidengrub. S. 32–47
Karl Schwarzfischer: Opfergrube im Erdstall Trebersdorf. S. 48–67
Herbert Wolf: Unterirdischer Gang bei Unterdörfl. S. 68–73
Regina Glatthaar: Erdstall in Untervierau. S. 74–82
Heinrich Köder, Leo Hofmann, Günter u. Herbert Köder: Der Veitenstein bei Lusberg. S. 83–95
Martin Hartl: „Erdställe“ im Iran im Zusammenhang mit der Kanatbautechnik. S. 98–104
Dorothée Kleinmann: Arbeitstagung der französischen Gesellschaft zur Erforschung der Souterrains in Chinon, Frankreich, 1976. S. 105–107
Maurice Broëns: Ces souterrains … refuges pour les vivants, ou pour les esprits? Rezension von Dorothée Kleinmann. S. 108–109
Manfred Moser: Erdstall-Bibliographie. Erdställe in deutschsprachigen Gebieten, Teil 2 (Teil 1 im Erdstallheft 1/1975). S. 110–115

Exzerpte von Heike Gems-Müller

Einen Themenschwerpunkt der Jahresschrift DER ERDSTALL bildet die ausführliche Dokumentation von Erdstallanlagen. Stark komprimierte Fassungen dieser Erdstallbeschreibungen sind im Folgenden unter den Überschriften Erdställe sowie Erdstallähnliche Anlagen / Mögliche Erdstallfragmente zu finden. Die Einordnung der dokumentierten Anlagen in diese beiden Kategorien orientiert sich an einer Reihe spezifischer Merkmale. Als „Erdställe“ werden ohne Ausmauerung angelegte untertägige Bauten betrachtet, die aus winkelig verlaufenden, kaum mehr als schulterbreiten Gängen sowie kleinen Kammern bestehen, horizontal oder vertikal ausgerichtete Engstellen (Schlupfe oder Schlupfröhren) besitzen und zumeist mit unterschiedlich großen, aus dem anstehenden Gestein herausgearbeiteten Nischen bzw. Bänken, nicht selten auch mit Trockenmauern ausgestattet sind. Künstlich angelegte Höhlen und Stollen, die diesem Eigenschaftsprofil nur in groben Zügen entsprechen oder deren noch erhaltene Bereiche keine klaren Erdstallkennzeichen mehr aufweisen, werden der zweiten Kategorie zugeordnet.

Erdställe

S. 48–53, 55–57: Trebersdorf (Traitsching) / Lkr. Cham, Oberpfalz (nach Beschreibung von K. Schwarzfischer): Der in „grusigen, lehmigen, zum Teil glimmerhaltigen Sand“ gegrabene Erdstall, der 1976 bei Planierungsarbeiten auf offenem Gelände angeschnitten worden ist, war allem Anschein nach seit der mutmaßlich im 13./14. Jahrhundert vorgenommenen Verfüllung seines Eingangsschachts unberührt. Er stellte eine komplexe Anlage aus mehreren, in verschiedene Richtungen orientierten Gangsegmenten und einer Schlusskammer dar, wobei die einzelnen Raumelemente durch sehr enge (37–40 cm) Horizontal- und Vertikalschlupfe verbunden waren. In jedem Gang gab es jeweils eine größere Nische, Einbuchtung oder einen sehr kurzen Seitengang. Die Schlusskammer wies zwei besondere Ausstattungsmerkmale auf: An ihrem südlichen Ende befand sich eine halbrunde Nische oberhalb eines tischartigen Absatzes, während ihre Nordwand von einer Trockenmauer mit vorgesetzter Erdstufe abgeschlossen wurde. Eine vergleichbare Trockenmauer, der ebenfalls eine etwa 50 cm hohe Erdstufe vorgesetzt war, gab es auch in dem der Schlusskammer vorausgehenden Gang. Schlammige Ablagerungen und Spuren an den Gangwänden zeugten von regelmäßigen Überschwemmungen in tiefergelegenen Teilen der Anlage. Mit Grundriss, Querschnitt, Lageplan und Fotos. Siehe auch: DER ERDSTALL 40.

S. 74–81: Untervierau (Miltach) / Lkr. Cham, Oberpfalz (nach Beschreibung von R. Glatthaar): Der Eingang zu dem seit Langem bekannten, fast vollständig erhaltenen Erdstall befand sich im Keller unter dem Wohnhaus eines Bauernhofs. Durch einen 2,50 m langen Gang erreichte man einen senkrecht nach unten führenden, zuletzt rechtwinkelig abknickenden Schlupf, der in einen weiteren, 6,50 m langen, mit einer niedrigen Bank versehenen Gang mündete. Dieser Gang endete an einer mit Erde und großen Steinen verfüllten „Rundkammer“ bzw. einem runden Schacht von 1 m Durchmesser. Nach Entfernen eines Großteils des Füllmaterials zeigte sich, dass nach leichtem, treppenartigem Anstieg des Gangs ein spitzbogiger Zugang in die Rundkammer führte. Etwa 2 m vor dieser Stelle gelangte man in südlicher Richtung durch einen Schlupf, der, nachdem er etwa 1 m weit waagerecht verlief, rechtwinkelig nach oben abbog und in einen halbkreisförmigen Gang führte. Am Ende des Halbkreisgangs erreichte man durch einen zunächst abwärts führenden und dann wiederum rechtwinkelig abknickenden Schlupf einen Gang mit Bank, der jenseits der Rundkammer lag und mit dieser durch einen rundbogigen Zugang verbunden war. Bemerkenswert war im Übrigen, dass es in diesem Erdstall, anders als in den meisten anderen Anlagen, keine Lichtnischen gab. Mit Lageplan, Querschnitt, Grundriss und Fotos.

Erdstallähnliche Anlagen / Mögliche Erdstallfragmente

S. 68–72: Unterdörfl (Furth i. Wald) / Lkr. Cham, Oberpfalz (nach Beschreibung von H. Wolf): 1965 auf freiem Feld entdecktes, 2,75 m langes Gangfragment in verwittertem Amphibolit, wobei in zwei Richtungen der weitere Verlauf teilweise verschütteter Gangabschnitte ansatzweise erkennbar war. Mit Grundriss und Fotos.

Funde

S. 32–35: Eidengrub / Lkr. Cham, Oberpfalz (W. Endres): Die „humushaltige, brandige und lehmige Erde“, mit der der Erdstall einst verfüllt worden ist, enthielt neben Holzkohleresten, Ascheklumpen, brandrissigen Steinen und einem „künstlich zugeschliffenen Hornstein“ auch mehr als 600 Topfscherben (vgl. K. Schwarzfischer, DER ERDSTALL 1, S. 78) – eine zeitliche Einordnung der Scherben war allerdings schwierig, da „die vorliegenden Kragenrandprofile […] einen als langlebig bekannten Randscherbentypus“ verkörperten, und nicht nur charakteristische Keramikscherben, sondern auch datierbare Begleitfunde fehlten. Aufgrund von Form und Herstellungsweise ist lediglich „eine Zuordnung des Eidengruber Scherbenmaterials zur hoch- bis spätmittelalterlichen Keramikgruppe der (sogenannten) einfachen, jüngeren Drehscheibenware“ möglich. – Es handelt sich überwiegend um gröber gearbeitetes Gebrauchsgeschirr ohne oder mit sehr sparsamem Dekor. Die gefundenen Rand- und Wandscherben sowie Bodenstücke stammen, mit Ausnahme von zwei Randstücken einer Bügelkanne, hauptsächlich von Töpfen. S. 36–46: Sechs Tafeln mit Skizzen der Keramikscherben sowie Erläuterung.

S. 54, 58–63: Trebersdorf (Traitsching) / Lkr. Cham, Oberpfalz (K. Schwarzfischer): In der Verfüllung des runden, 1,70 m tiefen und 1,10 m breiten Eingangsschachts ließen sich insgesamt sieben Schichten unterscheiden. Die Schachtsohle bedeckte eine Schicht aus Holzkohle, gefolgt von einer dünnen (8 cm) Lehmschicht. Die darüberliegende Schicht aus grusigem Sand enthielt zahlreiche Fundobjekte, darunter Asche, brandrissige Steine und Kieselsteine, etwa 150 Tonscherben und einen Lanzenschuh (Abb. S. 63). Die vierte Schicht wurde von einer 25 cm starken Lage aus Feldsteinen gebildet. Die darüber gelagerten, aus Sand, Lehm und Humus bestehenden Schichten enthielten außer „rotgebrannten Steinen“ keine Fundstücke. Vergleiche mit anderen Fundorten, Skizze der Füllschichten (Abb. S. 61). Siehe auch: DER ERDSTALL 4 u. 18.

S. 76 u. 78: Untervierau (Miltach) / Lkr. Cham, Oberpfalz (R. Glatthaar): An zwei Stellen im Erdstall konnten Fundobjekte freigelegt werden: Unter einem von Einfüllmaterial gebildeten Schuttkegel befanden sich unmittelbar auf dem Gangboden Tonscherben, die zu einem vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammenden Gefäß gehörten. Außerdem lagen im Bereich des zweiten Schlupfs, bedeckt von Steinplatten, zahlreiche Knochen kleinerer Tiere, darunter ein Mäuseschädel und Knochen eines Haushuhns. Siehe auch: DER ERDSTALL 4.

Deutung der Erdstallzweckbestimmung

S. 52, 54 u. 64: Deutung des Erdstalls von Trebersdorf (Lkr. Cham, Oberpfalz) als vorchristliche, für „das Fortleben einer vom Körper losgelösten Seele“ bestimmte Wohnstätte, deren Eingangsschacht eine „Opfergrube“ bildete, die im 13. Jahrhundert noch gemäß paganem Brauchtum zugeschüttet worden sei, um die Wiederkehr von Ahnengeistern zu verhindern (K. Schwarzfischer).

Weitere unterirdische Anlagen

S. 98–103: Beschreibung traditioneller Kanate, d. h. unterirdischer Stollen- und Kanalsysteme zur Wassergewinnung, im Iran und dort mit ähnlicher Technik in 3 bis 5 m Tiefe angelegte Ställe als Winterquartier für Nutztiere wie Schafe und Ziegen (M. Hartl). Mit Karte, Skizzen und Fotos.