DER ERDSTALL, Heft 6, Roding 1980

Der Erdstall“ ist die Jahresschrift des Arbeitskreis für Erdstallforschung. Sie erscheint seit dem Jahr 1975 und enthält Fachartikel zu künstlichen Höhlen und informiert über aktuelle Forschungsergebnisse.

Diese Seite bietet eine Übersicht und kurze Zusammenfassung der Inhalte.

Ausgaben von DER ERDSTALL können beim Arbeitskreis für Erdstallforschung bestellt werden (einige ältere Hefte sind bereits vergriffen).

Inhaltsverzeichnis

Pierre Nollent: Souterrain in Champonceau, Gde. Ascheres-le-Marche, Departement Loiret. S. 4–8

Erich Kaiser: Die Höhlen zu Bermatingen im Linzgau, Baden-Württemberg. S. 9–26

Regina Glatthaar: Erdstall in Aumbach, Gde. Rettenbach, Lkr. Cham. S. 27–34

Ludwig Treimer: Beim Silobau Erdstall in Schönanger, Lkr. Regen, entdeckt. S. 35–42

Georg Spitzlberger: Der Erdstall “Böhmannhaus“ von Geiersberg bei Hauzenberg, Lkr. Passau. S. 43–50

Gerhard Eigler: Untersuchung der Steinfunde aus der Einfüllmasse des Erdstalls in Wutzldorf, Lkr. Cham. S. 51–53

Karl Schwarzfischer: Tierknochen und eiserne Gebrauchsgegenstände im Erdstall von Wutzldorf, Lkr. Cham. S. 54–56

Karl Schwarzfischer: Hinweise aus Kleinfunden in Erdställen. S. 57–95

Ernst Zintl: Von Zwerglöchern, Brauchtum und Sagen im südl. Egerland/CSR. S. 96–100

Werner Endres: Keramikfragmente aus dem Erdstall in Arnschwang Hs.-Nr. 29 sowie ein Nachtrag zum Erdstall Wutzldorf. S. 101–107

Resi Schwarzfischer: Kurzberichte aus dem Jahre 1979. S. 108–122

Ankündigung der internationalen Arbeitstagung zur Erforschung der Erdställe vom 12.-14.7.1980 in Roding. S. 123

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Exzerpte von Heike Gems-Müller

Erdställe

S. 4–8: Champonceau (Aschères-le-Marché) / Département Loiret, Frankreich (nach Beschreibung von P. Nollent): Der bei einem Gehöft gelegene Erdstall (frz. Souterrain) wurde in leicht zu bearbeitendes Kalkmergelgestein gegraben. Er bestand aus mehrfach rechtwinkelig abknickenden Gängen und vier Kammern. Der ursprüngliche Zugang sowie zwei weitere Gangabschnitte waren vollständig verschüttet und mit Mauern verschlossen. Zu den Besonderheiten der Anlage gehörten Rillen für Verschlüsse, vier senkrecht nach oben führende Röhren (drei davon mit einem Durchmesser von etwa 6 cm sowie eine quadratische mit einer Seitenlänge von 20 cm) und eine 1,75 m tiefe, 0,85 m breite, in einer Gangbiegung befindliche Grube, welche möglicherweise einst – wie noch vorhandene Falzrillen vermuten lassen – mit Brettern abgedeckt werden konnte. Mit Grundriss der gesamten Anlage und Grundriss sowie Querschnitt der Grube.

S. 35–42: Schönanger (Rinchnach) /Lkr. Regen, Niederbayern (nach Beschreibung von L. Treimer): Die Existenz des auf dem Gelände eines Bauernhofs befindlichen Erdstalls war bis zu seiner Entdeckung bei Erdaushubarbeiten 1979 nicht bekannt gewesen. Die aus Flinz herausgearbeitete, komplex gestaltete Erdstallanlage erstreckte sich über zwei Ebenen. Der tiefer gelegene Teil bestand aus einem 3,5 m langen Gang, dessen nördliches Ende mit Steinen verschlossen war, hinter denen sich ein senkrecht nach oben führender, verfüllter Schacht befand. Auf beiden Seiten des Gangs gelangte man durch Schlupfe, die ein kurzes Stück horizontal und dann rechtwinkelig abknickend vertikal verliefen, in zwei höher gelegene Erdstallbereiche. Dort befanden sich in verschiedene Richtungen führende Gänge mit mehreren blind endenden Seitenstollen sowie einer 2 m langen, 48 cm breiten und 37 cm hohen,  horizontal verlaufenden Schliefröhre mit halbrundem Profil. Ein Gang am nordöstlichen Ende der Anlage war verschüttet. Bemerkenswert ist, dass der Erdstall mit zahlreichen Stufen, und zwar als Stiege im tiefer gelegenen Gang und als Einzelstufen am Ende einiger Gänge, versehen war. Mit Lageplan, Grundriss, Querschnitt und Fotos.

Erdstallähnliche Anlagen / Mögliche Erdstallfragmente

S. 9–17: Bermatinger Höhlen / Bodenseekreis, Baden-Württemberg (nach Beschreibung von E. Kaiser): Die seit Langem bekannte, bereits in der älteren Literatur mehrfach beschriebene, bei Baumaßnahmen im 19. und frühen 20. Jahrhundert wiederholt angeschnittene erdstallähnliche Anlage ist aus tertiären Molassesedimenten herausgearbeitet worden. Durch einen 1944 gebauten Luftschutzraumzugang (der ursprüngliche Eingang war nicht mehr lokalisierbar) gelangte man in den Kernbereich der künstlich geschaffenen Höhle, der aus zwei durch einen Gang verbundenen Kammern bestand, die insbesondere aufgrund ihrer Höhe von über 2 m mehr Platz boten als die meisten Erdstallkammern. Im Verbindungsgang waren sowohl senkrechte Falze als auch „bogenförmig abwärts führende Rillen“ und eingebohrte Löcher gegenüberliegend eingetieft. Des Weiteren wiesen der Gang und die nördliche Kammer unterschiedlich große, bodentiefe Nischen auf. Oberhalb der südlichen Kammer lag eine dritte Kammer, die durch Gestaltungselemente wie einen kreuzförmigen Grundriss und eine Rundbogenapsis auffiel. Einige schwer zu deutende Ritzzeichnungen an den Wänden der Anlage waren außerdem bemerkenswert. Mit Lageplan, Grundriss, Querschnitt, Fotos und Auszüge aus dem von Dekan Eitenbenz 1842 abgefassten Erstbericht.

S. 27–33: Aumbach (Rettenbach) / Lkr. Cham, Oberpfalz (nach Beschreibung von R. Glatthaar): Die bei einem Gehöft befindliche, in der Vergangenheit mehrfach angeschnittene, wieder verfüllte und teilweise zerstörte erdstallähnliche Anlage bestand aus sauber gearbeiteten, rechtwinkelig abzweigenden und sich an einer Stelle kreuzenden, rundbogigen Gängen, die weder Schlupfe noch Lichtnischen aufwiesen. Gegenüber einer Trockenmauer, die einen nach Westen abzweigenden Gang verschloss, befanden sich große aufgestellte Feldsteine und auf der dazwischenliegenden Fläche von 40 x 60 cm wurden sorgsam aneinander gesetzte Steine freigelegt (s. Skizze S. 29). Mit Lageplan, Grundriss und Fotos.

S. 43–49: Geiersberg (Hauzenberg) / Lkr. Passau, Niederbayern (nach Beschreibung von G. Spitzlberger): Auf dem Gelände einer als „Böhmannhaus“ bezeichneten, ehemaligen Hofstelle wurde 1978 in einer Hangböschung der Zugang zu einem unterirdischen Gang entdeckt, der knapp 30 m weit in gerader Richtung verlief. Der eine variierende Höhe und Breite aufweisende, am Ende verschüttete Gang besaß in einem rund 10 m vom Eingang entfernten Bereich auf der Gangsohle eine grobe Steinpflasterung und gegenüberliegend in die Wände eingetiefte, senkrecht verlaufende Kerben. Mit Lageplan, Grundriss, Querschnitt, Gangprofilen und Fotos.

Funde

S. 7: Champonceau (Aschères-le-Marché) / Département Loiret, Frankreich (P. Nollent): In der Verfüllung einer 1,75 m tiefen, 0,85 m breiten, in einer Gangbiegung angelegten Grube fand man Tonscherben, v. a. Dachziegel mit erhöhtem Rand, sowie Tierknochen, und zwar das Stirnbein eines Rinds, einen Maulwurfsschädel mit Kiefer und die Hirnschale eines weiteren Maulwurfs. Auch in einer der Kammern wurde das Schädeldach eines Maulwurfs entdeckt, welches dem Autor – ebenso wie die Tierknochen in der Grube – absichtlich platziert erschien. In einer weiteren Kammer wurde ein Maulwurfskiefer zusammen mit spätmittelalterlichen Tonscherben freigelegt. Zu den Funden gehörte außerdem ein kleiner Stein in Würfelform mit kegelartiger Aushöhlung (s. Skizze S. 5).

S. 31 u. 33: Aumbach (Rettenbach) / Lkr. Cham, Oberpfalz (R. Glatthaar): Bei Freilegung der teilweise verfüllten Gänge wurden an verschiedenen Stellen Holzstückchen und Holzkohle, eine Vielzahl von Keramikscherben sowie Dachziegelbrocken, Ofenkacheln und Bodenfliesen gefunden. Außerdem kamen einige Gegenstände aus Metall zutage, und zwar „ein kleines abgebrochenes Messer mit Holzgriff und verzierten Kupferbeschlägen […] ein geschmiedeter Nagel, eine gebogene Messerklinge und ein rundes, dosenartiges Gebilde“. Siehe auch: DER ERDSTALL 7.

Wutzldorf (Wald) / Lkr. Cham, Oberpfalz:

  • S. 51–53: Steinfunde (G. Eigler): Nach einem Vergleich der Gesteine, die sich in der Einfüllmasse des Erdstalls befanden, mit Gesteinsproben aus dem Umkreis von 1 km rund um Wutzldorf lautete das Fazit: „Fast alle wesentlichen Gesteinstypen aus dem Erdstall fanden sich auch in der Umgebung von Wutzldorf.“ Lediglich Kalkstein, das Material aus dem eine im Eingangsbereich des Erdstalls gefundene, bearbeitete Platte bestand, kam bei Wutzldorf nicht vor.
  • S. 54f.: Tierknochen (K. Schwarzfischer): Die zahlreichen in den Einfüllschichten gefundenen Tierknochen stammten mit Ausnahme eines Unterschenkelknochens von einem Schaf oder einer Ziege allesamt von Hausrindern oder Hauspferden.
  • S. 55f.: Metallgegenstände (K. Schwarzfischer): Gefunden wurden ein 5,7 cm langer, geschmiedeter Nagel, eine schmiedeeiserne, 9 cm lange Messerklinge und ein 10 cm langes „Stoßwerkzeug“ (Anm. d. Verf.: Es handelt sich wohl um einen Armbrustbolzen.); mit Fotos.
  • S. 105f.: Nachträglich untersuchte Randscherbe eines Keramikfragments (W. Endres): Das im Bereich des Erdstallzugangs gefundene Bruchstück war mit Randstücken aus dem 15. Jahrhundert vergleichbar und wies Spuren von einem wohl zufällig erfolgten, zweiten Brand auf. Skizze S. 104.

Siehe auch: DER ERDSTALL 4 u. 5.

S. 57–63: Statistische Erhebungen zu Fundobjekten aus Erdställen (K. Schwarzfischer): Zahlreiche Publikationen zu Erdställen/Souterrains in Deutschland, Österreich, Böhmen, Mähren, Ungarn und Frankreich (s. Literaturliste S. 94) wurden im Hinblick auf darin beschriebene Fundgegenstände ausgewertet. Die Durchsicht ergab, dass für rund ein Drittel der erfassten Erdstallanlagen Funde verzeichnet worden waren. Daraufhin erfolgte eine Einordnung der Fundobjekte in Sachgruppen, unterschieden nach den Materialien (Keramik, Metall, Holz, Glas, Stein, Tier- und Menschenknochen), aus denen sie bestanden. 27 % der Erdställe, die Funde aufwiesen, enthielten Gegenstände, die einen „gewissen materiellen Wert“ besaßen, wie etwa Hausrat, Wertgegenstände (z. B. Münzen), Werkzeuge, Geräte oder Waffen. In 88,8 % der Erdställe mit Funden gab es Objekte „ohne materiellen Wert“, darunter zerbrochene Gegenstände, Tierknochen, Brandreste und Abfälle.  

S. 101–106: Arnschwang, Haus-Nr. 29 (Gasthof „Zum Wirt“)/ Lkr. Cham, Oberpfalz (W. Endres): In einer Einbruchsverfüllung des Erdstalls sind einige Keramikbruchstücke, die sich als Gefäß- und Ofenkeramik einordnen ließen, gefunden worden. Die Untersuchung von 3 Randscherben und 4 Kachelfragmenten ergab, dass keines der Bruchstücke vor dem 16. Jahrhundert zu datieren war, aber auch Einfüllzeiten bis zum 19. Jahrhundert denkbar wären. Mit Skizzen. Siehe auch: DER ERDSTALL 1 u. 5.

Deutung der Erdstallzweckbestimmung

S. 63–88: Nach der statistischen Auswertung von Fundobjekten aus Erdstallanlagen wurde von K. Schwarzfischer der Versuch unternommen, die gefundenen Gegenstände verschiedenen Deutungen des Erdstallzwecks zuzuordnen.