DER ERDSTALL, Heft 5, Roding 1979

Der Erdstall“ ist die Jahresschrift des Arbeitskreis für Erdstallforschung. Sie erscheint seit dem Jahr 1975 und enthält Fachartikel zu künstlichen Höhlen und informiert über aktuelle Forschungsergebnisse.

Diese Seite bietet eine Übersicht und kurze Zusammenfassung der Inhalte.

Ausgaben von DER ERDSTALL können beim Arbeitskreis für Erdstallforschung bestellt werden (einige ältere Hefte sind bereits vergriffen).

Inhaltsverzeichnis

Marianne Buttigieg: Malta – Die jungsteinzeitlichen Tempel und ihr Hypogäum. S 4–19

Werner Endres: Keramikfunde des 15./16. Jahrhunderts im Erdstall Wutzldorf, Lkr. Cham. S. 20–32

Jean Bordenave, Michel Vialelle: Chthonische Totenkultstätten des Mittelalters in SW-Frankreich. S. 33–37

Karl Schwarzfischer: Neuentdeckte Erdställe in Zandt, Landkreis Cham. S. 38–51

Regina Glatthaar: Unterirdische Anlagen in Arnschwang, Landkreis Cham. S. 52–65

Theo Männer: Erdstall bei Thanstein, Landkreis Schwandorf. S. 66–72

Henriette Niedermair: Die Erdställe in Kissing und Mergenthau, Landkreis Augsburg-Ost. S 73–86

Karl Schwarzfischer: Das „Heidnische Begräbnis” auf dem Rittergut Bendeleben in Sachsen. S. 87–91

Peter Kiener, Karl Schwarzfischer: Der „Schluf“ von Niederpretz, Landkreis Passau. S. 92–99

Resi Schwarzfischer: Kurzberichte aus dem Jahre 1978. S. 100–107

Manfred Moser: Künstliche Opferschächte: Eine archäologisch-religionsgeschichtliche Bibliographie. 2. Teil: außereuropäische Länder. S. 108–125

Exzerpte von Heike Gems-Müller 

Einen Themenschwerpunkt der Jahresschrift DER ERDSTALL bildet die ausführliche Dokumentation von Erdstallanlagen. Stark komprimierte Fassungen dieser Erdstallbeschreibungen sind im Folgenden unter den Überschriften Erdställe sowie Erdstallähnliche Anlagen / Mögliche Erdstallfragmente zu finden. Die Einordnung der dokumentierten Anlagen in diese beiden Kategorien orientiert sich an einer Reihe spezifischer Merkmale. Als „Erdställe“ werden ohne Ausmauerung angelegte untertägige Bauten betrachtet, die aus winkelig verlaufenden, kaum mehr als schulterbreiten Gängen sowie kleinen Kammern bestehen, horizontal oder vertikal ausgerichtete Engstellen (Schlupfe oder Schlupfröhren) besitzen und zumeist mit unterschiedlich großen, aus dem anstehenden Gestein herausgearbeiteten Nischen bzw. Bänken, nicht selten auch mit Trockenmauern ausgestattet sind. Künstlich angelegte Höhlen und Stollen, die diesem Eigenschaftsprofil nur in groben Zügen entsprechen oder deren noch erhaltene Bereiche keine klaren Erdstallkennzeichen mehr aufweisen, werden der zweiten Kategorie zugeordnet.

Erdställe

S. 38–43: Zandt, Haus-Nr. 11 / Lkr. Cham, Oberpfalz (nach Beschreibung von K. Schwarzfischer): Auf dem Gelände eines Bauernhofs wurde 1970 bei Bauarbeiten ein in kristallinem Schiefer angelegter Erdstall entdeckt und teilweise zerstört. An der Einbruchstelle gelangte man in ein Gangfragment mit einem Schlupf, der senkrecht nach unten in einen weiteren Gang führte. Am Gangende bildete ein „Doppelschlupf“, d. h. eine Kombination aus horizontaler und rechtwinkelig abknickender vertikaler Schlupfröhre, den Zugang zu einer höher gelegenen Rundkammer, an die sich ein nach 3 m verfüllter Gang anschloss. Mit Lageplan, Grundriss, Querschnitt und Fotos.


S. 43–48: Zandt, Hofmarkschloss / Lkr. Cham, Oberpfalz (nach Beschreibung von K. Schwarzfischer): Unweit des Hofmarkschlosses von Zandt wurde bei Kanalarbeiten 1977 eine mit Wasser gefüllte, unterirdische Kammer freigelegt. An ihrer Südseite zweigte eine enge (37 cm Durchmesser bei 1,10 m Länge), waagerecht verlaufende Schlupfröhre ab. Im darauffolgenden Jahr stieß man bei weiteren Tiefbauarbeiten auf eine zweite Kammer, die sich an diese Schlupfröhre anschloss und wie schon die zuvor entdeckte Kammer einen spitzbogigen Querschnitt aufwies. Von der Sohle der zweiten Kammer aus führte ein senkrechter Schacht 1,90 m tief nach unten.
Schließlich wurde im Rahmen der Bauarbeiten noch der Südteil des Erdstalls angeschnitten, der im Wesentlichen aus zwei in unterschiedlicher Tiefe gelegenen Kammern bestand: Sowohl vom westlichen als auch vom östlichen Ende der höher gelegenen Kammer aus führte ein Vertikalschlupf nach unten. Durch den östlichen Schlupf erreichte man über einen kurzen Gang die tiefer gelegene, relativ geräumige (5,50 m lange, 1,05 m breite, 1,40 m hohe) Kammer, die an ihrer Südwand von einer rechtwinkelig abzweigenden Seitenkammer und an ihrer Nordwand von einer Trockenmauer abgeschlossen wurde. Ständig nachfließendes Wasser erschwerte die Untersuchung des Erdstalls erheblich. Mit Lageplan (S. 39), Grundriss, Querschnitt, Fotos und Zeichnungen.


S. 52–56: Arnschwang, Haus-Nr. 27/ Lkr. Cham, Oberpfalz (nach Beschreibung von R. Glatthaar): Durch einen schräg abwärts führenden, 50 cm x 50 cm messenden Schlupf im Kellerboden des Hauses gelangte man in eine seit Langem bekannte unterirdische Anlage, die aus zwei in unterschiedlicher Tiefe gelegenen, fast runden, kuppelförmig gewölbten Kammern bestand. In der oberen Kammer lehnte eine Steinplatte, die aufgrund ihrer Größe zum Verschließen des Zugangsschlupfs gedient haben könnte. Ein senkrecht verlaufender Schlupf, dessen Öffnung mittels großer Steinplatten künstlich verkleinert worden war, verband die erste mit der zweiten, tiefer liegenden, etwas kleineren Kammer. Mit Grundriss, Querschnitt und Fotos.


S. 55–59: Arnschwang, Haus-Nr. 29 (Gasthof „Zum Wirt“) / Lkr. Cham, Oberpfalz (nach Beschreibung von R. Glatthaar): Der bereits in der älteren Literatur mehrfach beschriebene, aus Gneis herausgearbeitete Erdstall konnte von einem Keller aus betreten werden. Durch einen sich verengenden Gang erreichte man nach mehr als 4 m eine mit Erde, Steinen und anderem Material verfüllte „fast runde Kammer mit etwas über 1 m Durchmesser“, die in 1,75 m Höhe eine „nachgebrochene Kuppel“ aufwies und nur etwa 60 cm unterhalb des Oberflächenniveaus endete. Noch bevor man diese verfüllte runde Kammer erreichte, zweigte ein zunächst senkrecht und dann waagerecht verlaufender Schlupf nach oben in einen höher gelegenen Gang ab, der durch einen Horizontalschlupf ebenfalls mit der runden Kammer verbunden war und schließlich bogenförmig und mit Gefälle in einen jenseits der verfüllten runden Kammer befindlichen Raum führte. Mit Grundriss und Fotos. Siehe auch: DER ERDSTALL 1 u. 6.


S. 73–78: Kissing, Petersberg / Lkr. Aichach-Friedberg, Schwaben (nach Beschreibung von H. Niedermair): Der Erdstall ist 1853 im Petersberg, einem Hügel aus tertiärem Sand am Nordrand des Orts Kissing, neben dem Anwesen Haus-Nr. 12 entdeckt worden. Er bestand aus einem 1,70 m hohen und 0,70 m breiten, im leichten Bogen nach Norden führenden, überwiegend spitzbogigen Hauptgang, der nach 17 m verstürzt endete und von dessen östlicher Seite zwei Nebengänge abzweigten. Beide Nebengänge waren rund 10 m lang, doch während der eine nur eine Höhe von 50 cm aufwies, war der zweite 2 m hoch und besaß einen spitzbogenförmigen Horizontalschlupf sowie mehrere größere Nischen. Mit Lageplan, Grundriss, Gangquerschnitten und Fotos.


S. 74, 76 u. 79f.: Kissing, Kirchberg / Lkr. Aichach-Friedberg, Schwaben (nach Beschreibung von H. Niedermair): Der Zugang zu dem inmitten der Ortschaft Kissingen unweit einer Kirche befindlichen Erdstall führte durch einen Gang, dessen erstes rund 10 m langes Teilstück nach seiner Entdeckung 1877 ausgemauert worden war und der einen Horizontalschlupf aufwies, durch den man in den darauffolgenden 3 m langen Gangabschnitt gelangte. Dieser Gang stieß schließlich auf einen weiteren Gang, der in der einen Richtung nach 9 m verschüttet war und in der anderen Richtung nach 5,40 m zu einem zuerst senkrecht verlaufenden und dann rechtwinkelig nach oben abknickenden Schlupf führte, durch welchen man in einen nach 12 m mit Bauschutt verfüllten Gang mit paarweise gegenüberliegenden Nischen gelangte. Mit Lageplan, Grundriss, Gangquerschnitten und Fotos.


S. 80–85: Mergenthau (Kissing) / Lkr. Aichach-Friedberg, Schwaben (nach Beschreibung von H. Niedermair): Die seit Langem bekannte unterirdische Anlage bestand aus einem über 40 m langen, in Höhe und Breite variierenden, spitzbogigen Hauptgang, der in seinem Verlauf eine leichte und eine rechtwinkelig abknickende Richtungsänderung aufwies und in einer runden Kammer mit einem Durchmesser von 1,90 m endete. Nach 20 m zweigte vom Hauptgang ein sehr enger Nebengang (50 x 50 cm) ab, der sich nach 3 m in zwei Gänge teilte, die beide nach kurzer Strecke verstürzt waren. Mit Lageplan, Grundriss, Gangquerschnitten und Fotos.


S. 92–98: Niederpretz (Hutthurm) / Lkr. Passau (nach Beschreibung von P. Kiener u. K. Schwarzfischer): 1975 ist bei Umbauarbeiten im Keller eines alten Bauernhauses ein aus verwittertem Granit herausgearbeiteter, an mehreren Stellen verstürzter und verfüllter Erdstall entdeckt worden. Zugänglich war lediglich eine Kammer mit rundbogigem Profil und einer Lichtnische, an deren östlichem Ende vermutlich eine weitere, verschüttet Kammer und zwei in entgegengesetzte Richtungen führende Schlupfröhren abzweigten. Die eine Schlupfröhre (46 cm breit, 33 cm hoch, 95 cm lang) war an ihrem Ende mit drei grobbehauenen Steinen verschlossen, während die andere, noch engere Schlupfröhre (37 cm breit, 32 cm hoch, 105 cm lang) in eine teilweise mit „sandigem Material“ aufgefüllte Kammer führte, von welcher in mehrere Richtungen verschüttete Gänge abzweigten. Mit Lageplan, Grundriss und Fotos.


S. 106: Neuhaus (Windischeschenbach) / Lkr. Neustadt an der Waldnaab, Oberpfalz (nach Angaben von R. Schwarzfischer): Die Berechnung des Rauminhalts vom Erdstall auf dem Schnepfenbühl bei Neuhaus durch Harald Fähnrich ergab ein Gesamtvolumen von 24 m³, davon entfielen auf den fast 4 m hohen Schacht 4 m³. Die Erdstallanlage erstreckte sich über eine Grundfläche von 49 m². Siehe auch: DER ERDSTALL 4.

Erdstallähnliche Anlagen / Mögliche Erdstallfragmente

S. 66–72: Thanstein / Lkr. Schwandorf, Oberpfalz (nach Beschreibung von T. Männer): An einer Stelle, an der laut Zeitzeugenberichten in den 1930er Jahren beim Straßenbau ein Erdstall angeschnitten worden war, zeigten sich 1977 zwei Einbruchstellen. Dort befand sich ein in verwittertem Granit und Sandstein angelegtes Erdstallfragment, das aus einem mit einer Bank endenden Gangstück mit rechtwinkelig abzweigendem Nebengang bestand. Die Gänge wiesen zwei Lichtnischen und Bearbeitungsspuren auf. Mit Lageplan, Grundriss, Querschnitten und Fotos. Siehe auch: DER ERDSTALL 7.

Funde

S. 20–32: Wutzldorf (Wald) / Lkr. Cham, Oberpfalz (W. Endres): Bei den in der Verfüllung des Erdstalls von Wutzldorf gefundenen Keramikscherben handelte es sich um zahlreiche Rand-, Boden- und Wandstücke von Gebrauchsgeschirr (Gefäßkeramik), darunter ein zu ca. ¾ erhaltener Topf, und die Fragmente von 7–10 Schüsselkacheln (von 1–2 Kachelöfen) sowie das Fragment eines partiell glasierten Ziegelsteins.
Zudem wurden einige glasierte Scherbenfragmente gefunden, die einer Materialgruppe zuzurechnen sind, welche „die wohl früheste, weiter verbreitete Geschirrgruppe mit Glasur in der Oberpfalz darstellt“, unter ihnen Reste einer kleinen, im Bereich der Gefäßmündung grün glasierten Kanne und eines in Malhorntechnik ausgeführten Tellerfragments.
Die Wutzldorfer Keramikfunde ließen sich überwiegend in das 15. Jahrhundert, einige aus einer wohl erst später eingebrachten Verfüllmasse stammende Stücke auch in das 16. Jahrhundert einordnen.
Sowohl die Funde von Ofenkacheln als auch von glasierter Ware deuten auf ein etwas höheres Qualitätsniveau hin, als es gemeinhin für ein Bauernhaus des 15. Jahrhunderts zu erwarten wäre. Mit Skizzen. Siehe auch: DER ERDSTALL 4 u. 6.


S. 48–50: Zandt / Lkr. Cham, Oberpfalz (K. Schwarzfischer): Der Erdstall beim Hofmarkschloss enthielt einige bemerkenswerte Holzobjekte. Im Boden der bei Kanalarbeiten zuerst angeschnittenen Kammer steckten laut übereinstimmender Beschreibungen von zwei Bauarbeitern 5–6 in einer Reihe stehende, hölzerne Pfähle mit einem geschätzten Durchmesser von 10 cm und einer Länge von etwa 40 cm, die zusammen mit dem übrigen Aushubmaterial wieder eingefüllt worden waren. Darüber hinaus konnte K. Schwarzfischer in derselben Kammer ein im Schlamm unter Wasser liegendes Holzbrett mit Einschnittspuren, die er als „Graffitis“ deutete, sicherstellen. Das an beiden Seiten abgeschrägte, 3 cm starke Brett maß innen 78 cm und außen 85 cm und war „aus einem Holzstamm herausgeschlagen“. Mit einer Breite von 32 cm besaß das Brett eine Abmessung, die zum 37 cm betragenden Durchmesser der Schlupfröhre passte, durch welche es einst in die Kammer gelangt sein musste. Aus einem in der Kammer jenseits der Schlupfröhre befindlichen Vertikalschacht konnte ein konisch geformter Holzpfahl geborgen werden, der eine Länge von 24 cm und am oberen Ende einen Durchmesser von 13 cm aufwies. Die überwiegend aus sandiger Erde bestehende Füllmasse des Schachts enthielt außerdem eine mittelalterliche Tonscherbe, Holzkohle und Quarz- sowie Granitsteine. In einer weiteren Kammer des Erdstalls wurden „Ziegelbrocken“ gefunden.

S. 56: Arnschwang, Haus-Nr. 29 (Gasthof „Zum Wirt“) / Lkr. Cham, Oberpfalz (R. Glatthaar): Verfüllmaterial enthielt größere Steine, Bachkiesel, viele Ziegelbruchstücke, einige Scherben und grün glasierte Ofenkacheln. Näheres: DER ERDSTALL 6.


S. 95 u. 98f.: Niederpretz (Hutthurm) / Lkr. Passau (P. Kiener, K. Schwarzfischer): In einer der Erdstallkammern wurden verkohlte Holzstückchen und ein dünner, von einem Tier stammender Röhrenknochen gefunden. Der Hauseigentümer hatte zuvor bei der Freilegung des Erdstalls eine Steinplatte (Durchmesser 70–80 cm, möglicherweise ein Verschlussstein) entdeckt, hinter der sich Holzkohle, Schlacke, 2 mittelalterliche Tonscherben, 2 Ziegelbrocken sowie unterschiedlich große Steine und Lehmklumpen mit Brandspuren befanden.


S. 106: Neuhaus (Windischeschenbach) / Lkr. Neustadt an der Waldnaab, Oberpfalz (R. Schwarzfischer): Im Einfüllmaterial, mit dem der Eingang verschüttet worden war, wurden Holzkohlereste und Ziegelbrocken gefunden. Laut H. Fähnrich befanden sich im 4 m hohen Schacht drei Schichten aus Sand und Granitsteinen, die „vom Feuer gerötet und auf der Unterseite geschwärzt“ waren, sowie ein Teil eines Mahlsteins. Siehe auch: DER ERDSTALL 4.


Weitere unterirdische Anlagen

S. 4–18 (nach Beschreibung von M. Buttigieg): Beschreibung und Deutung des Hypogäums von Hal-Saflieni auf Malta, einer mit Tempelanlagen verbundenen, in das anstehende Gestein getriebenen, unterirdischen Begräbnisstätte aus dem Neolithikum, die aus einem sich über drei Ebenen erstreckenden, komplexen System unterschiedlich geformter Gänge und Kammern besteht. Einige der Räume weisen architektonische Elemente wie Schlupflöcher, Nischen und Bänke auf, wie sie in ähnlicher Form in Erdställen zu finden sind. Mit Karte, Grundrissen und Fotos.