DER ERDSTALL, Heft 1, Roding 1975

Der Erdstall“ ist die Jahresschrift des Arbeitskreis für Erdstallforschung. Sie erscheint seit dem Jahr 1975 und enthält Fachartikel zur Erdstallforschung und informiert über Ergebnisse der Forschungstätigkeit im deutschsprachigen Raum.

Diese Seite bietet eine Übersicht und kurze Zusammenfassung der Inhalte von Heft 1.

Ausgaben von DER ERDSTALL können beim Arbeitskreis für Erdstallforschung bestellt werden.

Inhaltsverzeichnis

Raymond Mauny: Die Erdställe, ein gemeinsames Forschungsgebiet für Deutschland und Frankreich. S. 5–7
John Alexander: Geleitwort der Subterranea Britannica. S. 8
Karl Schwarzfischer: Erdstallforschung im donauländischen Raum. S. 9–14
Pierre Nollent: Hatten die Souterrains einen kultischen Zweck? Das Souterrain von Chatres-sur-Cher (Frankreich). S. 15–18
Sylvia P. Beamon: Souterrains und andere unterirdische Bauten aus Großbritannien. S. 19–20
Herbert Wolf: Neue Beobachtungen an Erdställen in Arnschwang, Lkr. Cham. S. 21–60
Peter Kiener: Ein Erdstall in Döfering. S. 61–68
Karl Schwarzfischer: Welche Funktion erfüllte der Erdstall Eidengrub. S. 69–83
Diskussionsbeiträge zum internationalen Symposium für Erdstallforschung in Roding im Juli 1973. S. 84–86
Manfred Moser: Erdstall Bibliographie. S. 87–91

Exzerpte von Heike Gems-Müller

Einen Themenschwerpunkt der Jahresschrift DER ERDSTALL bildet die ausführliche Dokumentation von Erdstallanlagen. Stark komprimierte Fassungen dieser Erdstallbeschreibungen sind im Folgenden unter den Überschriften Erdställe sowie Erdstallähnliche Anlagen / Mögliche Erdstallfragmente zu finden. Die Einordnung der dokumentierten Anlagen in diese beiden Kategorien orientiert sich an einer Reihe spezifischer Merkmale. Als „Erdställe“ werden ohne Ausmauerung angelegte untertägige Bauten betrachtet, die aus winkelig verlaufenden, kaum mehr als schulterbreiten Gängen sowie kleinen Kammern bestehen, horizontal oder vertikal ausgerichtete Engstellen (Schlupfe oder Schlupfröhren) besitzen und zumeist mit unterschiedlich großen, aus dem anstehenden Gestein herausgearbeiteten Nischen bzw. Bänken, nicht selten auch mit Trockenmauern ausgestattet sind. Künstlich angelegte Höhlen und Stollen, die diesem Eigenschaftsprofil nur in groben Zügen entsprechen oder deren noch erhaltene Bereiche keine klaren Erdstallkennzeichen mehr aufweisen, werden der zweiten Kategorie zugeordnet.

Darstellung von Erdstallmerkmalen

S. 9–12: Beschreibung von Erdstallmerkmalen durch K. Schwarzfischer:

  • Formgebung und Anordnung von Gängen und Kammern,
  • kleine und große Nischen,
  • Bohrlöcher,
  • Stufen,
  • Absperrungen, Verschlussvorrichtungen, Verschlusssteine,
  • Verbindung zu Brunnen,
  • Lage an alten Siedlungsstätten, Einzelgehöften, Dörfern, Kirchen, Friedhöfen,
  • Verbreitung in Europa und
  • Erklärung der Wortbedeutung von „Erdstall“.

Erdställe

S. 15–18: Chatres-sur-Cher / Mittelfrankreich (nach Beschreibung von P. Nollent): Eine vielgestaltige Erdstallanlage (frz. Souterrain) mit abzweigenden Gängen, einem Umgang, Kammern, zwei Schlupfen, zahlreichen Wandnischen, Silos und Bänken. Mit Grundriss, Skizze und Fotos.

S. 61–68: Döfering / Lkr. Cham, Oberpfalz (nach Beschreibung von P. Kiener): Lage auf dem Gelände eines der ältesten Höfe des 1055 erstmals urkundlich erwähnten Dorfes; komplexe Anlage mit Hauptgang und mehrfach verzweigten Nebengängen auf verschiedenen Ebenen mit vier Vertikalschlupfen; an drei Stellen begrenzten Trockenmauern verschiedene Gänge, die sich vielleicht dahinter fortsetzten; der Erdstall stand möglicherweise einst in Verbindung mit einem Brunnen (s. S. 67); mit Lageskizze, Grundriss, Gangquerschnitten, Fotos.

S. 69–73, 75, 77–81: Eidengrub / Lkr. Cham, Oberpfalz (nach Beschreibung von K. Schwarzfischer): 1967 entdeckter, aus mit Feldspat durchsetztem Biotit-Granit herausgearbeiteter Erdstall; Lage auf dem Gelände eines sehr alten Bauernhofes des im 13. Jahrhundert erstmals erwähnten Weilers Eidengrub; kleinräumiger Erdstall, der trotzdem viele typische Merkmale (Bank, Stufe, kleine u. große Nischen, Bohrloch) aufwies, mit zwei sehr engen (38 cm), erhöht angebrachten Horizontalschlupfen; eine brunnenartige Vertiefung sowie alle tief gelegenen Teile waren die meiste Zeit des Jahres überschwemmt (S. 73), da der Erdstall „in einer wasserführenden Schicht angelegt ist“ (S. 79); mit Lageskizzen, Grundriss, Querschnitten, Fotos.

Erdstallähnliche Anlagen / Mögliche Erdstallfragmente

S. 24–49: Erdställe in Arnschwang / Lkr. Cham, Oberpfalz (nach Beschreibung von H. Wolf):

  • S. 24–35: Haus-Nr. 45 (Hausladen): 1974 entdecktes, in stark verwittertem Gneis angelegtes Erdstallfragment, bestehend aus einer Kammer mit Schlupf, der in einen kurzen Gang führte, an dessen Ende sich ein verstürzter Schlupf befand; Angaben zu Fundort, Erhaltungszustand und Formgebung; mit Grundriss, Gangquerschnitt, Fotos sowie Beschreibung der Versturz- und Einfüllschichten mit Skizze.
  • S. 35–49: Auflistung zahlreicher erdstallähnlicher Anlagen, Gänge und Kammern, die es in Arnschwang laut mündlicher Überlieferungen oder nach Darstellungen in der Literatur – teilweise mit detaillierten Beschreibungen, Skizzen und Fotos – gegeben haben soll. Besonders die Angaben zur unterirdischen Anlage bei Haus-Nr. 29 (Mühlbauer) ließen vermuten, dass sich dort ein Erdstall befunden hat oder noch befindet (Grundriss u. Querschnitt S. 38, Beschreibung S. 41 u. 43, Fotos S. 42). Siehe auch: DER ERDSTALL 5.

Funde

S. 28–35 u. 50: Arnschwang / Lkr. Cham, Oberpfalz (H. Wolf):

  • S. 28–35: Haus-Nr. 45: In einigen von zehn Versturz- und Einfüllschichten (s. Skizze S. 31) konnten Funde aus verschiedenen Materialien freigelegt werden: Keramik (Fotos d. Keramikscherben S. 32f.), Knochensplitter, Holzkohle, Hüttenlehm, Steine;
    S. 34f.: Interpretation von Lage und Alter (mittelalterlich bis neuzeitlich) der Funde aus dem Erdstallfragment von Haus-Nr. 45;
  • S. 50: Funde, die laut Angaben in der Literatur in den unterirdischen Anlagen Arnschwangs gemacht worden sind.

S. 77–81: Eidengrub / Lkr. Cham, Oberpfalz (K. Schwarzfischer): Der Erdstall ist vermutlich im 13./14. Jahrhundert zugeschüttet worden. Die Verfüllung enthielt: „humushaltige, brandige und lehmige Erde, […] eine große Menge von Holzkohleresten, Ascheklumpen, mehr als 600 Topfscherben, viele Steine, die zum Teil Brandrisse zeigten, und einen künstlich zugeschliffenen Hornstein“ (S. 78); zahlreiche Keramikscherben aus dem 13. u. 14. Jahrhundert mit Rußspuren. Siehe auch: DER ERDSTALL 3.

Deutung der Erdstallzweckbestimmung

S. 10–12: Übersicht über die Deutungsgeschichte der Erdstallzweckbestimmung (K. Schwarzfischer).

S. 15–18: Deutung der Anlage in Chatres-sur-Cher als „Bestattungsgang“ (A. P. Nollent).

S. 21f. u. 24: Deutungsgeschichte der Erdställe in Arnschwang / Lkr. Cham, Oberpfalz (H. Wolf).

S. 73 u. 76–81: Frage nach der Zweckbestimmung des Erdstalls von Eidengrub: K. Schwarzfischer hält aufgrund der Enge, des Frischluftmangels und der häufigen Überschwemmungen eine praktische Funktion des Erdstalls (Zuflucht, Versteck, Lagerraum) für unwahrscheinlich und vermutet stattdessen einen kultischen Zweck im Bereich von „Erdkulten“, und zwar von „Durchschlupfbräuchen“ oder „Totenopfern“ mit „rituellen Feuern“ und dem „chtonischen Aufenthalt der Abgeschiedenheit“; in einer späteren Phase die Einrichtung einer „Opfergrube“.

Weitere unterirdische Anlagen

S. 19f.: Verschiedene Arten unterirdischer Anlagen (Souterrains) in Großbritannien und Irland – zeitlich einzuordnen von der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter; einige davon Wohnstätten, Zufluchtsorte oder Vorratsräume, andere mit ungeklärter Zweckbestimmung (S. P. Beamon).

Karten

S. 13 u. 23: Erdstallverbreitungskarten.

S. 36 u. 49: Plan der „Schrazellöcher“ in Arnschwang nach J. Brunner (1904) und nach E. Spitzenberger (1959).