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Unterirdischer Gang unter Bauernhof in Sankt Roman gefunden

Ausgestellt am 29. Mai 2012 vom

Forscher des oberösterreichischen Landesvereins für Höhlenkunde und des deutschen Arbeitskreises für Erdstallforschung haben bei einer Grabung im Keller eines Bauernhauses in der Gemeinde Sankt Roman (Bez. Schärding) einen bisher unbekannten unterirdischen Gang freigelegt.

Der Gang war entdeckt worden, als der Besitzer des Bauernhofes mit einigen Spatenstichen erkunden wollte, ob sich hinter einer Nische in seinem Keller möglicherweise ein weiterer Kellerraum befindet. Hans Hatzmann schildert den Moment in dem er den Gang entdeckt hat: „Nach den ersten paar Spatenstichen hab ich gesehen, dass hinter der Nische ein Gang wegführt und man konnte auch gleich an der Decke erkennen, dass dieser Gang von Menschenhand bearbeitet ist.

Aus dem bis zur Decke mit Erdreich verfüllten Gang konnten die verständigten Experten in 2 Arbeitseinsätzen mehrere Kubikmeter Erdreich entfernen. Ans Licht der Scheinwerfer ist ein 5 Meter langer Gang getreten, der rund 80 Zentimeter breit ist und ein kastenförmiges Gangprofil aufweist. An den Wänden und der Decke des Ganges sind deutliche Hau-Spuren von den Werkzeugen zu erkennen, mit denen der Gang in das verwitterte Gneis-Gestein geschlagen worden ist.

Die ursprüngliche Vermutung, dass es sich bei dem entdeckten Gang um einen Geheimgang aus dem Mittelalter – einen sogenannten Erdstall – handeln könnte, hat sich im Zuge der Grabungsarbeiten nicht bestätigt.
Im untersten Teil des Ganges sind die Forscher auf Spuren einer dunkel gefärbten Brandschicht mit Ruß- und Kohleresten gestoßen. Am Grund des 160 Zentimeter hohen Ganges konnte ein Rohr mit etwa 20 Zentimetern Durchmesser freigelegt werden. Der Linzer Erdstall-Forscher Kons. Josef Weichenberger vom Oberösterreichischen Landesarchiv fasst den Erkenntnisstand nach der Grabung zusammen:
Bei dem neuentdeckten Gang handelt es sich allem Anschein nach um einen neuzeitlichen Stollen, der zur Entwässerung eines älteren Kellerraumes angelegt worden ist. Wir wissen, dass das Bauernhaus im Jahr 1910 abgebrannt ist. Vermutlich ist damals im Zuge des Wiederaufbaus eine Entwässerungsanlage für den älteren Kellerraum angelegt worden.

Im Bezirk Schärding sind noch weitere unterirdische Gänge bekannt. Nicht einmal 3 Kilometer Luftline entfernt gibt es unter dem Gasthof Wösner in Münzkirchen einen Erdstall, der den Menschen im Mittelalter als Zufluchtsort bei Raubüberfällen gedient hat. Im Sommer 2010 ist in der rund 8 Kilometer entfernten Gemeinde Schardenberg durch Zufall bei Bauarbeiten ebenfalls ein mittelalterlicher Erdstall entdeckt worden.

Als wir von dem Gang in Sankt Roman erfahren haben, haben wir natürlich gehofft, dass es sich dabei ebenfalls um einen Geheimgang aus dem Mittelalter handelt,“ sagt Weichenberger, „aber auch dieser Entwässerungsgang ist für die vergleichende Forschung von enormem Interesse. Anhand von solchen Funden können wir die typischen Bau-Merkmale von verschiedenen unterirdischen Objekten unterscheiden. Das hilft uns, mittelalterlichen Anlagen von anderen unterirdischen Bauten abzugrenzen.

Der Gang soll deshalb auf jeden Fall erhalten werden. Weichenberger hofft, dass – wie in diesem Fall – die Entdeckung von unterirdischen Gängen auch in Zukunft gemeldet wird: „Gerade das Innviertel ist aufgrund seiner Besiedlungsgeschichte geradezu prädestiniert für die Existenz von mittelalterlichen unterirdischen Gängen. Jeder unterirdische Gang ist etwas ganz besonderes. In ganz Oberösterreich sind nur mehr rund 25 Geheimgänge aus dem Mittelalter zugänglich. Für die Forschung ist jede Anlage, die untersucht und dokumentiert werden kann, äußerst wichtig.

Neu entdeckte oder altbekannte unterirdische Anlagen können an das Österreichische Bundesdenkmalamt oder hier auf der Website www.erdstallforschung.at gemeldet werden.

Rückfragehinweis:
Kons. Josef Weichenberger
Oberösterreichisches Landesarchiv
Anzengruberstr. 19
A-4020 Linz

E-Mail: josef.weichenberger@ooe.gv.at
Tel.: 0732 7720 14603
Mobil: 0699 11494163

Pressefotos können unter Nennung des Foto-Credits “erdstallforschung.at” frei verwendet werden.