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Erdstall Pelmberg

Ausgestellt am 8. März 2012 vom

Erdstall Mittermayer, Pelmberg 2, Hellmondsödt, Bezirk Urfahr-Umgebung

Lageangabe
Das Freilichtmuseum Pelmberg liegt ca. 8 Kilometer Luftlinie nördlich von Linz und gehört zur Gemeinde Hellmonsödt. Zu erreichen ist es von Linz aus entweder über den Haselgraben (B126) bis Glasau, hier rechts nach Hellmonsödt und im Ort dann der grünen Beschilderung zum Freilichtmuseum Pelmberg folgen, oder über St. Margarethen, Oberbairing, Ober- und Niederwinkl, auch dieser Anfahrtsweg trifft auf die Hinweistafeln „Freilichtmuseum Pelmberg“.

Forschungsgeschichte
Im Jahr 1933 publizierte Franz Stroh, der damalige Archäologe für Ur- und Frühgeschichte des Oberösterreichischen Landesmuseums in der Zeitschrift Heimatgaue seine Nachforschungen über diesen Erdstall:

Pelmberg. Im Mai 1932 fand ich in den Akten des Landesmuseums ein Schreiben des verstorbenen Linzer Rechtsanwaltes Dr. H. Heißler vom 9. September 1895, in dem der Genannte folgende Mitteilung machte: ‚Anläßlich meines Sommeraufentaltes in Kirchschlag brachte in in Erfahrung, daß sich im Haushofe des Mittermayergutes Nr. 2 in Pelmberg, Gemeinde Hellmonsödt, unteriridische Gänge befinden. Meine Tochter ist mit mehreren Spaziergängerinnen in die Verließe hinabgestiegen. Sie sind aber nicht weit vorgedrungen.‘ Heißler riet dem Landesmuseum, diesen unterirdischen „Substruktionen“ ein Augenmerk zuzuwenden.

Ich richtete sofort nach Auffindung dieses Berichtes eine Anfrage an den Besitzer des Gutes, erhielt aber keine Auskunft. Erst durch die Vermittlung des Oberlehrers Augustin in Hellmosödt war eine Untersuchung dieses Erdstalles möglich. Auch dieser befindet sich unter dem Hause, dürfte sich aber in den nördlichen Hang hinter den Anwesen erstrecken. Der Zugang liegt unter der aus Feldsteinen aufgebauten „Gred“. Nach Freilegung des Zuganges gelangte ich in eine Höhlung, aus der zwei Verbindungen in die Anlage führen. Geradeaus führt eine große Öffnung in deinen Gang, der leider mit jauchigem Wasser angefüllt war. Zur Linken zweigt ein Sackgang ab, an dessen Ende ein enger Abstieg in die Tiefe führt. Auch in diesem stand Wasser wie in einem Brunnen. Nachdem von einem Nachbarn eine Jauchepumpe geholt worden war, konnte trotz zweistündigen Pumpens nicht eingefahren werden, da noch immer ein hoher Wasserstand den Eintritt in die Erdstallräume verhinderte. Auch dieser Erdstall ist im Flins angelegt.

Heimatgaue, 14. Jg (1933) 2. Heft. Neue Erställe im Mühlviertel, Franz Stroh, Seite 108

Im Jahre 1966 wurde der Erdstall von der Bauabteilung des Amtes der Oö. Landesregierung vermessen. Linzer Höhlenforscher bearbeiteten Ende 1981 erneut die Anlage, ohne von der Vermessung der Bauabteilung zu wissen.

Geschichtliches zum Hof
Der Meierhof  „dacs pelnberge“ oder „ze pelnberge“ erscheint 1325 erstmals urkundlich. Am Beginn des 16. Jahrunderts wurde der Hof, der ursprünglich bei 100 Joch grund umfasste, gedrittelt in Vordermayr, Mittermayr und Hintermayr. Heute dient der Hof als Freilichtmuseum und wird pro Jahr von mehreren Tausend Personen besucht.

Beschreibung
Heute hat der Zugang unter der ‚Gred‘ einen gemauerten Steingewölbebogen. Durch diese neuzeitliche Einstiegsöffnung kommt man in den ersten Gang, an dessen westlichem Ende eine kreisrunde Schlupfröhre in die um 1,35 tiefere Etage führt, die auch über einen Absatz (hier lehnt eine Leiter als Abstiegshilfe) erreicht wird. Der westliche Gangabschnitt der tiefsten Etage ist zu einer Kammer erweitert, eine schmale Sitzbank ist entlang der Wand ausgehauen. 5 Personen finden drauf Platz, die Höhe der Kammer ist 1,3 m.

Von der östlichen Fortsetzung des Ganges zweigt in südlicher Richtung ein Seitengang ab, der nach 1,0 m in eine nach oben führend Schlupfröhre übergeht, die aber mit Steinen verschlossen ist. Auch der Hauptgang mündet in ein Schlupfloch, das uns wieder in eine höhere Etage bringt.

Am östlichen Gangende führt ein senkrechter Schlot bis in die Stube des Hauses. Da vorher die Fußbodenbretter diese Öffnung in der Stube überdeckt hatten, bezeichnete man diesen Schacht als „Horchstollen“. Es wird vermutet, daß die im Erdstall geflüchteten Personen durch diesen Horchstollen die Möglichkeit hatten, die Besatzer in der Stube zu belauschen. Der ursprüngliche Einstieg in den Erdstall war in de „Mägdekammer“, heute ist er vermauert.

Bemerkungen
Der heute 18 m lange Erdstall wird von Schulkindern und anderen Besuchern des Freilichtmuseums gerne aufgesucht. Die Installation einer elektrischen Beleuchtung erleichtert den Interessenten die Befahrung. Der Erdstall büßt aber durch diese Einbauten viel von seiner Ursprünglichkeit ein.