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Vorträge Freitag

Ausgestellt am 8. November 2014 vom

Rückblick Erdstalltagung 2014

Vorträge Freitag | Exkursion Samstag | Vorträge Samstag | Vorträge Sonntag

Johannes MAHNE-BIEDER:
Vorstellung der Arbeitsgruppe Erdstallforschung am Institut für Geographie der Universität Augsburg

Den Auftakt der Veranstaltung machte Johannes Mahne-Bieder von der Universität Augsburg, der die Arbeitsgruppe für Erdstallforschung am Institut für Humangeographie der Uni Augsburg vorstellte. Er umriss in seinem Vortrag das ambitionierte Vorhaben der universitären Forschungsgruppe, die es sich – erstmals im Rahmen eines Seminars mit 20 Studenten – zum Ziel gesetzt hat, möglichst viele Erdställe zu finden, zu katalogisieren und zu beschrieben und mittels 3D-Laserscanning zu vermessen um daraus mögliche Typologien identifizieren zu können. Darüber hinaus sollen in weiterer Folge auch Verteilungsmuster von Erdställen untersucht werden, die in Zusammenhang mit geologische und naturräumliche Gegebenheiten sowie der Besiedlungsgeschichte neue Anhaltspunkte und Erkenntnisse zur Verbreitung der Erdställe liefern können.

Foto: Erhard Fritsch, Landesverein f. Höhlenkunde OÖ

Foto: Erhard Fritsch, Landesverein f. Höhlenkunde OÖ

Foto: Erhard Fritsch, Landesverein f. Höhlenkunde OÖ

Foto: Erhard Fritsch, Landesverein f. Höhlenkunde OÖ

Foto: Erhard Fritsch, Landesverein f. Höhlenkunde OÖ

Foto: Erhard Fritsch, Landesverein f. Höhlenkunde OÖ


Selina THANHEISER und Maximilian SCHREIEGG:
Die Erdställe von Kissing: Geschichte, heutige Situation und 3D-Vermessung

Eindrucksvoll schilderten die beiden Studenten Selina Thanheiser und Maximilian Schreiegg das erste Projekt der neu gegründeten universitären Forschungsgruppe: Die Erfassung der Erdställe von Kissing und die 3D-Vermessung des Erdstalls unter dem Petersberg.

Foto: Erhard Fritsch, Landesverein f. Höhlenkunde OÖ

Foto: Erhard Fritsch, Landesverein f. Höhlenkunde OÖ

Foto: Erhard Fritsch, Landesverein f. Höhlenkunde OÖ

Foto: Erhard Fritsch, Landesverein f. Höhlenkunde OÖ


Gerhard Schwentner:
Erdställe im Kontext der mittelalterlichen Besiedlung im Bezirk Schärding, Innviertel

Einen spannenden Forschungsansatz stellte Gerhard Schwentner, Historiker am Landesarchiv Oberösterreich, in seinem Vortrag „Erdställe im Kontext der mittelalterlichen Besiedlung im Bezirk Schärding, Innviertel“ vor.
Hervorgegangen ist diese Arbeit aus einem 6-jährigen Forschungsprojekt, in dem aus Quellen, wie dem historischen Atlas von Bayern, eine Güterdatenbank erstellt wurde, in der (fast) alle alten Güter und Anwesen im Innviertel mit Koordinaten und heutiger Adresse verortet wurden. Die Datenbank umfasst 17.500 alte Höfe im Innviertel, die auch im digitalen Oberösterreichischen Rauminformationssystem (DORIS) darstellbar sind.

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Korrelation: Erdställe & Freieigene Bauern
Gerhard Schwentner zeigte erstmals auf, dass es im nördlichen Innviertel große Übereinstimmung zwischen der Ansiedlung von „Freieigenen Bauern“ und dem Auftreten von Erdställen gibt.

Foto: Erhard Fritsch, Landesverein f. Höhlenkunde OÖ

Foto: Erhard Fritsch, Landesverein f. Höhlenkunde OÖ

Freieigene Bauern waren Grundbesitzer – vom großen Bauern bis zu kleinen Häuseln mit Garten und einer Ziege – die keiner Grundherrschaft unterstellt waren.

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Diese freieigenen Bauern – allein im Bereich des ehemaligen Landgerichts Schärding gab es 128 von ihnen – mussten keine Abgaben leisten. Sie konnten aber – weil sie keiner Grundherrschaft unterstellt waren – auch nicht auf die Schutzfunktion der Grundherrschaft für ihre Untertanen zurückgreifen, hatten also keinen Grundherren, der sie im Angriffsfall verteidigt hätte.

Besiedlungsgeschichte
Auch aus den Forschungen zur Besiedlungsgeschichte präsentierte Gerhard Schwentner spannende Erkenntnisse zur Korrelation von Erdställen und dem Entstehen von Ansiedlungen im 11./12. Jahrhundert. So zeigte Gerhard Schwentner, dass Ansiedlungen, deren Namen auf –dorf enden, im nördlichen Innviertel genau dort zu finden sind, wo auch Erdställe auftreten.

Für das Innviertel zeigt die Forschung, dass die Landnahme im Zuge der bajuwarischen Besiedlung im 6. / 7. Jahrhundert beginnt. Die Ortschaften in diesem Altsiedelland tragen Namen, die auf -ing/-ham/-heim enden.
Ortschaften, die im Zuge einer ersten Ausbauwelle gegründet wurden, tragen Namen, die auf -bach/-hausen/-hofen enden.
Die Ortsnamenkunde zeigt, dass Siedlungen mit –dorf-Namen im Zuge der zweiten Ausbauwelle entstanden sind, als im 11./12 Jahrhundert beim Rodungsausbau Gegenden besiedelt wurden, die man zuvor gemieden hatte.

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Aufgrund der frappanten Übereinstimmungen zwischen dem Auftreten von Erdställen und dem Auftreten von –dorf-Namen kann man auch bei vorsichtiger Interpretation sagen: Die Erdställe im nördlichen Innviertel können in der Datierung nicht vor dem 11. Jahrhundert liegen, weil das Gebiet damals noch nicht besiedelt war.
Ob die Erdställe in diesem Gebiet gleichzeitig mit der Ansiedlung (im 11./12. Jahrhundert) errichtet wurden, oder nachträglich, lässt sich aufgrund dieser Befunde nicht mit Sicherheit sagen, es gibt aber Indizien, die darauf hinweisen, dass die Erdställe schon bei der Errichtung der Siedlung gebaut worden sein könnten.

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Fehlende Zentralgewalt
Zur Zeit der Siedlungserrichtung war eine Zentralgewalt im Reich faktisch nicht existent. Die Staufer waren im Innviertel weit weg, die niedrigen Potentaten haben ihre kleinen Herrschaftszentren errichtet und getan, was sie wollten. 1158 ist das Geschlecht der Vornbacher ausgestorben, 1208 verloren die Andechser ihre Grafschaft in der Region an die neuen Herzöge von Bayern, die Wittelsbacher, die in diesem Gebiet die Herrschaft übernommen haben. Weil die wittelsbachischen Herzöge in dieser Region aber keine Gefolgsleute (Vasallen) hatten, waren sie in diesem Gebiet so gut wie nicht verankert. Für die Herrschaftsträger in diesem Gebiet galt: Der Herzog ist weit weg, und was er sagt ist mir wurscht. Da es keine Zentralgewalt gab, hat das sprichwörtliche Faustrecht gegolten.

Dieser geschichtliche Hintergrund liefert also ein Indiz dafür, dass Erdställe gleichzeitig mit der Errichtung der Siedlung gebaut worden sein könnten. Ein Siedlungsbauer, der sich in der Wildnis ein Haus gebaut hat, könnte sich damals gedacht haben: ‚Wenn ich mir hier ein Haus baue, muss ich mir auf jeden Fall einen Schutzkeller dazu bauen’.


Weitere Vorträge am Freitag-Abend:


Erhard FRITSCH:
Beispiele aus der Erdstall-Forschung und der vergleichenden Forschung

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Josef WEICHENBERGER:
Sind wir in der Erdstallforschung ein Stück weitergekommen?!

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Michael LÄNTZSCH:
Erdställe – welche Deutungen sind nicht sinnvoll, welche möglich?

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